Unser Verständnis der Großen Transformation

Was ist unsere Vision?

Ausganspunkt unserer Lernreise ist die Überzeugung, dass eine zukfunftsfähige Lebensweise nichts Geringeres erforderlich macht als eine „Große Transformation“ von ähnlicher Tragweite wie die insdustrielle Revolution. Dieser Weg beinhaltet einen fundamentalen Wandel unserer gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Institutionen sowie unserer  kulturellen Leitideen:

  • Das Wirtschaftssystem muss sich grundlegend verändern. Ständige Konsumsteigerung als Grundpfeiler des Wirtschaftens ist nicht zukunftsfähig. Die permanente Zunahme des Bruttosozialprodukts führt in reichen Gesellschaften nicht zu mehr Wohlbefinden, sondern wirkt zerstörerisch. Das ökonomische Grundkonzept des homo oeconomicus (der Mensch als rationaler Eigennutzmaximierer) ist unvollständig und als normative Idee für eine nachhaltige Gesellschaft schädlich. Dasselbe gilt für die Idealisierung des freien Marktes als Grundmodell sozialer Beziehungen.

  • Unsere kulturellen Werte müssen sich wandeln: Intrinsische (selbst-transzendente) Werte – Verbundenheit mit anderen Menschen und der Natur, globale Empathie usw. – sollten gegenüber den gegenwärtig dominanten materialistischen, selbstbezogenen Werten – z.B. Status, Konsumorientierung, Ego-Zentrismus – mehr Raum gewinnen.Ziel der Veränderung ist eine Gesellschaft, die auf Wohlergehen und ein gutes Leben ausgerichtet ist, statt auf die materielle Steigerung von Produktion und Konsum. Eine solche Gesellschaft orientiert sich an Werten wie Solidarität, Generationengerechtigkeit, globale Gerechtigkeit, Genügsamkeit, Respekt vor allem Leben und Anerkennung planetarischer Grenzen.

  • Lokale Initiativen und Experimente spielen bei der Entstehung von nachhaltigen und solidarischen Wirtschaftsformen eine entscheidende Rolle. Gleichzietig müssen in einer global vernetzten und verflochtenen Welt Strukturen geschaffen werden, die es ermöglichen als internationale Gemeinschaft globale Probleme gemeinsam zu bewältigen und globale Allgemeingüter gemeinsam zu verwalten. Vernetzung und Austausch zwischen bestehenden lokalen Inititativen kann als globale Bürgerbewegung eine treibende Kraft für einen grundlegenden systemischen Wandel und eine planetarische Identität werden.

 

... und wie gelangen wir dorthin?

Unser Verständnis der Großen Transformation geht von der Prämisse aus, dass ein grundlegend anderes Wirtschaftssystem sowie ein anderes kulturelles Paradigma wünschenswert und möglich sind. Die Große Transformation ist jedoch nicht als zentral gesteuetes oder orchestriertes Projekt plan- oder machbar. Aus der Krise (und ggf. dem Zusammenbruch der westlich-modernen Zivilisation) kann eine erneuerte, zukunftsfähige Gesellschaft hervorgehen, wenn eine Pluralität lose miteinander in Verbindung stehender Akteure und Initiativen diejenigen Werte und Narrative, Wirtschaftsformen und Institutionen entwickelt, erprobt, lebt und kultiviert, die als neue gesellschaftliche Modelle tragfähig sind.

Unser Modell systemischen gesellschaflichen Wandels setzt auf drei Ebenen an:

  • Multilevel Grafik 05Kultur: Zur Entstehung einer zukuntfsfähigen Gesellschaft können wir beitragen, indem wir neue sinnstiftende Narrative entwickeln, die selbst-transzendente Werte zum Ausdruck bringen. Um effektiv zum Wandel beizutragen, ist es essentiell, dass wir als Personen und Organisationen selbst diese Werte leben.

  • Regime: Anstatt uns durch Lobbying auf kleine Veränderungen innerhalb der Institutionen des alten Systems zu konzentrieren (was diese Institutionen nur weiter stabilisiert) ist kritische Distanz zu diesen für den notwendigen Wandel untauglichen Insitutionen angesagt. Alternative Institutionen, die das neue System verkörpern entstehen erst allmählich und entwickeln sich zunächst in den Nischen.

  • Nischen: Die Modelle solidarischen und genügsamen Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens werden in vielfältigen, dezentralen Initiativen experimentell erprobt. Diese Mikrokosmen der Erneuerung gilt es zu stärken, zu vernetzen und sichtbar zu machen. 

 

Bei der Eröffnungsveranstaltung des Berlin Smart CSOs Lab erläuterte Micha Narberhaus ein paar einführende Thesen zum Thema "Warum Zivilgesellschaft mehr systemischen Wandel wagen sollte." Die Präsentation gibt es hier zum Download im pdf-Format.